Forschung und Entwicklung
Technologieführerschaft ist ein zentraler Baustein in der Konzernstrategie 2030 der STRABAG SE. Neben dem Einsatz neuer Technologien initiiert der Konzern zukunftsweisende Projekte, entwickelt eigene Innovationen zur Marktreife, verfolgt Forschungspartnerschaften und stärkt auf diese Weise konzernweit seine Kompetenzen. Insgesamt setzte STRABAG im Geschäftsjahr 2025 rund 149 Entwicklungsprojekte um und wendete für Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsaktivitäten rund € 18 Mio. (2024: rund € 19 Mio.) auf.
Innovation und Digitalisierung im Konzern in der SID gebündelt
Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind heute die vorrangigen Themen in allen Bausparten. Auf dem Weg zur datengetriebenen Organisation legt STRABAG den Fokus daher auf Cloud-basierte Datenhaltung, das Aufbrechen von Datensilos sowie auf die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter:innen rund um die Themen Daten und Künstliche Intelligenz (KI). Der Konzern setzt auf die Weiterentwicklung der digitalen Arbeitsweise BIM 5D® sowie auf bauspezifische Projektplattformen und Künstliche Intelligenz (KI). Ebenfalls vorangetrieben wird die konsequente Automatisierung durch robotische Anwendungen und teilautonome Maschinen. Gleichzeitig arbeitet STRABAG intensiv an strategischen Innovationsprojekten in ökologischer Nachhaltigkeit. Zentrale Themen sind dabei die Kreislaufwirtschaft sowie die konsequente Umsetzung nachhaltiger Lösungen in den Bereichen Energie, Engineering und Materialentwicklung.
Seit 2020 initiiert die STRABAG Innovation & Digitalisation (SID) mit rund 470 Mitarbeiter:innen an mehr als 20 Standorten federführend Entwicklungen, unterstützt mit Expertisen und behält einen umfassenden Überblick über die konzernweiten Innovationsaktivitäten sowie deren messbare Resultate. In enger Zusammenarbeit der Zentralbereiche BMTI, TPA und Zentrale Technik mit den Unternehmensbereichen werden zahlreiche Forschungs- und Entwicklungsprojekte realisiert. Ein großer Teil der Entwicklungstätigkeit wird durch Bauprojekte selbst angestoßen. Manche Fragestellungen erfordern auch mittelfristige Kooperationen mit Forschungseinrichtungen und Partnerunternehmen.
2025 konnte das öffentlich, durch den mFUND geförderte Projekt „Off-Highway-Twins-2“ (OHT2), in Zusammenarbeit mit Partner:innen aus der IT-Branche sowie der RWTH Aachen University erfolgreich abgeschlossen werden. Durch die Fusion von (Geo-)Daten aus der Cloud mit Sensor- und Telemetriedaten von Baumaschinen und -fahrzeugen konnten mittels Modellbildung, Sensordatenfusion und KI aktuelle, flächendeckende, detaillierte und semantische Modelle von Infrastrukturobjekten und ihrer Umgebung – die sogenannten Off-Highway Twins – in Echtzeit abgeleitet werden. Diese Modelle wurden über den gesamten Lebenszyklus der entsprechenden Infrastrukturobjekte aktuell gehalten und erfolgreich in Arbeitsprozesse integriert.
„EMilCon“, ein Forschungsprojekt der TPA-Gruppe PSS, legt den Fokus auf die Weiterentwicklung der induktiven Ladetechnologie. Während sich das Vorgängerprojekt EMili auf den Asphaltbau konzentrierte, befasst sich EMiLCon mit den besonderen Herausforderungen des Betonbaus. Das Ziel ist die Integration von Induktionsspulen in Betonstraßen, um eine effiziente, prozesssichere und langlebige kabellose Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge zu schaffen. Darüber hinaus wird im Rahmen des Projekts „Electric Road System Telecommunication in NRW“ (ERS.T-NRW) ein System entwickelt, das nicht nur die Energieübertragung optimiert, sondern auch die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladeinfrastruktur intelligent steuert.
Im Forschungsprojekt „Construct-X“, gefördert durch das deutsche Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), wird seit Anfang 2025 gemeinsam mit Partner:innen aus Wissenschaft und Industrie an der Entwicklung eines Datenraums für die Baubranche gearbeitet. Dieser Datenraum bildet die Grundlage für ein Cloud-Edge-Kontinuum, das eine dezentrale, latenzfreie und sichere Verarbeitung sowie die souveräne Bereitstellung von Daten ermöglicht. Durch die verstärkte unternehmensübergreifende Datenteilung sollen mehr Transparenz bei Umweltinformationen in Bauprojekten, eine höhere Arbeitsproduktivität und eine gesteigerte Resilienz in den Logistikketten erreicht werden. Damit entstehen präzisere, effizientere und nachhaltigere Bauprojekte.
Das Projekt „ConCIRCLE“ (Constructing Circular Intelligence for Reinforced Concrete Life Extension), ebenso gefördert durch das BMWE, hat zum Ziel, ein KI-gestütztes Bewertungssystem zu entwickeln, das multimodale Daten (u. a. Zustand, Geometrie, Materialkennwerte, potenzielle Schadstoffbelastung) von Stahlbeton-Bauteilen im Bestand erfasst, bewertet und zur Anreicherung von digitalen Produktpässen bereitstellt. Die gewonnenen Daten bilden die Grundlage für die ökonomische und ökologische Bewertung des Re-Use-Potenzials sowie zur Integration gebrauchter Stahlbeton-Bauteile in Sekundärmärkte und BIM-Planungsprozesse.
Im Bereich der KI setzte STRABAG 2025 weitere konkrete Schritte. Die Anwendung von KI zur Risikoanalyse wurde aktiv eingesetzt und weiterentwickelt. Neben der Pilotierung von Modellen zur Unterstützung der Kalkulation wurden auch diverse Assistenzsysteme zur Bewältigung großer Datenmengen erprobt. Darüber hinaus wird KI erfolgreich zur Digitalisierung analoger Prozesse, etwa von Formularen und Rechnungen, eingesetzt. Für alle Mitarbeitenden wurde eine verpflichtende KI-Schulung gemäß Artikel 4 des AI Acts implementiert.
Das in den Vorjahren erprobte und erfolgreich in das operative Geschäft integrierte Generative Design (GD) wurde aktiv im seriellen Bau angewendet und konsequent weiterentwickelt. Ziel war es, MOLENO® Wohnen durch die Kombination mit Generative Design zu einem KI-basierten Planungstool weiterzuentwickeln, das mittels eines Konfigurators unterschiedliche Gebäudetypologien flexibel, datenbasiert und weitgehend automatisiert entwirft. Darüber hinaus wurde Generative Design in den Fachbereichen Spezialtiefbau, Technische Gebäudeausrüstung (TGA) und Architektur etabliert. Planungsautomatisierung und datenbasierte Entscheidungsprozesse ermöglichen eine kosteneffizientere und qualitativ optimierte Planung.
Nach der Präsentation des neuen Konzernfördermodells und der neuen adASTRA-Innovationsprogramme am Innovation Day 2024 in Köln wurden diese im Jahr 2025 flächendeckend ausgerollt. Der nächste Innovation Day findet im Jahr 2026 statt.
Zur weiteren Stärkung des internen Ökosystems für Innovation wurde im Jahr 2025 LEADING INNOVATION – die Innovation Leadership Initiative konzipiert. Das Programm gibt Führungskräften im mittleren Management den Raum, die eigene Rolle im Innovationskontext neu zu verstehen und aktiv weiterzuentwickeln. Im Fokus stehen praxisnahe Erfahrungen und konkrete Impulse und Werkzeuge, um Innovation wirksam zu fördern.