Kreislaufwirtschaft
ESRS 2 SBM-3
Die Bauindustrie gehört aufgrund ihres hohen Rohstoffbedarfs und dem mit Abbrüchen verbundenen Abfallaufkommen zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftszweigen. Das lineare Wirtschaftssystem – bestehend aus Rohstoffabbau, Nutzung und Entsorgung – stößt zunehmend an seine Grenzen, da Ressourcen nur begrenzt verfügbar sind.
Zur Errichtung von Bauwerken werden große Mengen an nicht-nachwachsenden Baumaterialien wie Sand, Gestein, Asphalt und Beton benötigt. Zunehmend lässt sich auch ein steigender Bedarf an nachwachsenden Rohstoffen, vor allem Holz, feststellen. Am Ende des Lebenszyklus der von uns errichteten Bauwerke entstehen große Abfallmengen, die oft nicht gleichwertig in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt, sondern einer minderwertigen Verwertung zugeführt werden. Im ungünstigsten Fall werden diese Rohstoffe dem Wirtschaftskreislauf gänzlich entzogen, wenn sie als Abfälle thermisch verwertet werden oder auf Deponien gelangen. Deponien stehen außerdem nicht mehr als bewohnbare oder kultivierbare Flächen zur Verfügung. Gefährliche Abfälle stellen durch ihre Eigenschaften ein zusätzliches Risiko für Mensch und Umwelt dar und sind dementsprechend mit höheren Entsorgungskosten verbunden. Diese Umstände zeigen, dass sich die wesentlichen negativen Auswirkungen und Risiken über die gesamte Wertschöpfungskette erstrecken - von den eigenen und/oder externen Baustoffproduzenten bis hin zum Entsorgungsunternehmen.
Diese Entwicklungen bieten jedoch auch Chancen. Die Wiederverwendung und Verwertung von Rohstoffen wirkt nicht nur in Beschaffung und Entsorgung kostensenkend, sondern eröffnet auch neue Geschäftsfelder, indem etwa nachhaltige Baumaterialien produziert und eingesetzt sowie Bestandsbauten saniert werden. Ein eigenes, umfangreiches Baustoffnetzwerk ermöglicht eine hohe Wertschöpfungstiefe im Konzern. So wirkt STRABAG Risiken der Knappheit entgegen, erfüllt Kundenanforderungen und kann Entsorgungskosten minimieren. Bei der Entwicklung von Strategien und Geschäftsmodellen richtet STRABAG sich am 9R-Framework der Kreislaufwirtschaft aus: Rethink, Reduce, Reuse, Repair, Refurbish, Remanufacture, Repurpose, Recycle and Recover.
In unserer Strategie 2030 ist Kreislaufwirtschaft fest als eines von sechs Kernthemen verankert. Wir wollen unsere Kompetenzen in der Beschaffung und im Handling von Baustoffen sowie im Rückbau und Recycling erweitern. Damit soll unsere Ressourceneffizienz kontinuierlich erhöht werden. Innerhalb des Kernthemas Kreislaufwirtschaft werden folgende Themen im Rahmen priorisierter Handlungsfelder auf Konzernebene bearbeitet: Wertstrom-Management Kompetenz, Bauen im Bestand, Baustoffproduktion / nachhaltige Baustoffe.
Kreislaufwirtschaft in der Bauindustrie
Policies
ESRS E5-1
Aus diesem strategischen Rahmen ergeben sich eine Reihe von Prinzipien und Zielsetzungen, die in unserer übergeordneten Nachhaltigkeitspolitik sowie in unserer Umwelt- und Energiepolitik festgehalten sind. Diese Prinzipien und strategischen Ziele stellen Bekenntnisse und Verpflichtungen dar, nach denen wir die Geschäftsaktivitäten bei STRABAG zukünftig ausrichten möchten.
Die Umwelt- und Energiepolitik konkretisiert das Ziel der Kreislaufwirtschaft wie folgt:
- Kreislauffähige Planung: Wir bieten die Planung von kreislauffähigen Gebäuden aus wiederverwendeten Bauteilen, Sekundär- und nachwachsenden Rohstoffen unter Berücksichtigung der Ressourceneffizienz, Demontagefähigkeit und Flexibilität an. Durch proaktive Angebote an unsere Bauherren fördern wir das zirkuläre Bauen. Auf Anfrage identifizieren wir durch bauwerkspezifische Ökobilanzierung Verbesserungspotenziale und zeigen unseren Kund:innen den ökologischen Mehrwert von Bauvarianten auf.
- Zirkuläre Baustoffe: Wir produzieren und nutzen Baustoffe aus Sekundärrohstoffen, nachwachsenden Rohstoffen sowie Baustoffe mit hohem Wiederverwendungs- und Recyclingpotenzial. Zudem arbeiten wir kontinuierlich an technischen Lösungen zur Erhöhung der Rezyklat-Anteile in unseren Produkten.
- Rückbau: Wir setzen auf selektiven und zerstörungsfreien Rückbau zur Rückführung und Wiederverwendung von wertwollen Materialien und Bauteilen.
- Zero Waste Baustelle: Wir arbeiten an der Reduktion von Abfall auf unseren Baustellen durch einen hohen Vorfertigungsgrad, Take-Back-Logistik und weitere Maßnahmen.
- Bauen im Bestand: Wir bieten Lösungen für die Erfassung, Bewertung, Instandsetzung, Modernisierung, Umgestaltung oder Erweiterung von Bestandsgebäuden.
- Wertstrommanagement: Wir verbessern die baustellenübergreifende Erfassung und Steuerung von Wertströmen zur möglichst hochwertigen Verwertung und Reduzierung von Abfällen. Wir bieten unseren Kund:innen ganzheitliche Material- und Abfallkonzepte an, auch für den Umgang mit gefährlichen Abfällen.
Die Umwelt- und Energiepolitik ist konzernweit gültig und betrifft sowohl STRABAG als auch unsere vor- und nachgelagerte Lieferkette. Die Politik ist durch den STRABAG SE-Vorstand unterzeichnet, die Umsetzungsverantwortung liegt beim Vorstandsvorsitzenden.
Maßnahmen und Projekte
ESRS E5-2
Um Kreislaufwirtschaft als zentrales Kernthema der nachhaltigen Transformation des Konzerns zu erschließen, verfolgt STRABAG unterschiedliche Maßnahmen und Projekte. Eine Zuordnung von finanziellen Ressourcen zu den untenstehenden Initiativen ist nicht möglich, da sie Teil der übergeordneten Transformation des Konzerns sind, wodurch das laufende Tagesgeschäft und die regulären Abläufe nachhaltig verändert werden. Das Gesamtbudget für Forschung und Entwicklung von STRABAG SE ist im vorliegenden Konzernlagebericht (Finanzielle Performance) zu finden.
Bauen im Bestand
Bauwerke so lange wie möglich zu nutzen, sie zu sanieren oder zu modernisieren, ist die ressourcenschonende Alternative zum Abriss und Neubau. Bauen im Bestand ist daher Teil einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft und kann Rohstoffverbräuche und Abfallmengen minimieren.
Als zentrales Handlungsfeld der Strategie 2030 baut STRABAG Bauen im Bestand mit der Marke BESTAND BEYOND gezielt aus, unter anderem durch die Anpassung von Prozessen, der Stärkung interner Arbeitsgruppen sowie durch Öffentlichkeitsarbeit.
In den Zentralbereichen ZT (Zentrale Technik) und TPA (TPA Gesellschaft für Qualitätssicherung und Innovation) wurden neue Prozesse zur Bestandserfassung von Gebäuden aufgebaut und integriert. Dazu zählen insbesondere die Digitalisierung von Bestandsgebäuden mittels stationärer und mobiler 3D‑Laserscans sowie die anschließende Erstellung von BIM-Modellen (Building Information Modeling). Ergänzend wurde für Hochbauprojekte ein praxisorientierter Leitfaden zur Entwicklung von Kreislaufwirtschaftskonzepten im Rahmen der Rückbauplanung erarbeitet.
Zur weiteren Verankerung des Themas im Konzern wurde 2025 ein fünftägiges Schulungskonzept für Mitarbeitende erarbeitet und erfolgreich getestet. Ab 2026 sind zwei Schulungsreihen pro Jahr geplant. Schulungsinhalte umfassen die Vermittlung von Fachwissen sowie die proaktive Kundenkommunikation, um Anforderungen um Bauen im Bestand frühzeitig in der Projektplanung zu berücksichtigen. Die interne Vernetzung und der bereichsübergreifende Wissensaustausch wurden durch regelmäßige Austauschformate gestärkt. In Workshops wurden unter anderem Unsicherheiten und Herausforderungen aus Sicht der Kundschaft analysiert, um gezielter auf konkrete Anforderungen reagieren zu können. Dadurch wird das Bauen im Bestand weiter im STRABAG-Geschäftsmodell etabliert.
Zudem positionieren wir uns zum Thema Bauen im Bestand und klären auf Fachveranstaltungen, Messen und durch Gastbeiträge in einschlägigen Veröffentlichungen über Vorteile und Möglichkeiten auf.
Nachhaltige Baustoffe
Produktion, Nutzung, und Erforschung von NaWaRo
Im Themenfeld NaWaRo (nachwachsende Rohstoffe) steht die Forschung und Entwicklung natürlicher Baustoffe im Mittelpunkt, mit dem Ziel, das Portfolio kreislauffähiger Materialien zu erweitern und neue Einsatzmöglichkeiten im Bauwesen zu erschließen. Im Fokus steht der Ausbau der Naporo-Produktion, die Dämmstoff- und Akustiklösungen aus Hanf und Flachs für den nachhaltigen Bausektor bereitstellt.
In verschiedenen Projekten und Entwicklungsstufen werden außerdem die Potenziale von Stroh und Lehm als Baustoffe erforscht. Bei den Aktivitäten handelt es sich um laufende Maßnahmen ohne definierten Zeithorizont.
Die unterschiedlichen NaWaRo sowie deren Einsatz sind im „Reallabor – Nachhaltiges Bauen“ in Wien ausgestellt. Das Reallabor dient als Ort zur Untersuchung nachwachsender und kreislauffähiger Baustoffe unter realen Bedingungen. STRABAG und Partner:innen prüfen, wie Materialien mehrfach genutzt, recycelt und ressourcenschonend verarbeitet werden können. Das Reallabor bietet eine Plattform für die Zusammenarbeit zwischen Forschung, Industrie und Wirtschaft. Es dient der Prüfung der Praxistauglichkeit und Skalierbarkeit zirkulärer Lösungen und stellt Räume für Workshops, Veranstaltungen und Meetings zur Verfügung. Das Reallabor wurde im Mai 2025 eröffnet und hat eine geplante Laufzeit von zwei Jahren.
Mineralische Rohstoffe im Blick
Wenngleich nachwachsende Rohstoffe eine zunehmend relevante Rolle spielen, ist das Bauwesen großteils auf mineralische Baustoffe angewiesen. STRABAG pilotiert, erforscht und nutzt entsprechende Kreislaufwirtschaftspotenziale in Bezug auf wichtige Baustoffgruppen:
CO2e-reduzierte Betone
Kreislaufwirtschaft spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung CO2e-reduzierter Betone. Reststoffe aus industriellen Prozessen mit puzzolanischen Eigenschaften wie Flugasche und Hüttensand werden bereits als SCMs (supplementary cementitious materials) eingesetzt. Da deren Verfügbarkeit sinkt, testen wir alternative Reststoffströme zur Substitution. Auch Betonrecycling als Gesteinskörungsersatz trägt zur Ressourcenschonung bei. Weitere Potenziale liegen in der Nutzung von Reststoffen aus der Abfallverbrennung. Ziel ist es, bislang ungenutzte Materialströme durch verbesserte Verfahren für die Betonherstellung nutzbar zu machen. Bei den Aktivitäten handelt es sich um laufende Maßnahmen ohne definierten Zeithorizont.
Nutzung mineralischer Abfälle
Im Rahmen eines partnerschaftlichen Forschungsprojektes werden Möglichkeiten zur nachhaltigen Nutzung mineralischer Baurestmassen untersucht. Ziel ist es, alternative Bindemittelsysteme – insbesondere auf Basis von Geopolymeren – zu erforschen und ihr Potenzial für ressourcenschonende Baustoffe mit reduziertem CO2e-Fußabdruck zu bewerten. Dabei werden unterschiedliche Material- und Prozessansätze betrachtet, um ökologische Vorteile mit hoher technischer Leistungsfähigkeit zu verbinden. Das Projekt startete im November 2024 und soll im April 2026 beendet werden.
In Zusammenarbeit mit einem Spin-off der ETH Zürich wurde eine Mineralschaumdämmplatte entwickelt, die auf mineralischen Reststoffen aus Steinbrüchen basiert. Die Platte besteht zu 98 % aus Luft und zu 2 % aus sekundären Rohstoffen, ist vollständig rezyklierbar und kann beim Rückbau gemeinsam mit der Betontragstruktur mechanisch aufbereitet und erneut verwendet werden. Das Projekt startete Mitte 2025 und hat eine Laufzeit bis Mitte 2028.
Maßnahmen zur Optimierung des Wertstrommanagements
Eine robuste Datenbasis zu aktuellen Rohstoffverbräuchen und Abfallmengen ermöglicht das Ausschöpfen von Optimierungspotenzialen, um Wertströme bei STRABAG im Kreislauf führen zu können.
Wir arbeiten daran, Informationen zum Verbleib unserer Abfälle aus der nachgelagerten Lieferkette zu erhalten und entwickeln weiterhin eine digitale Plattform zur Erfassung von Abfallmengen. Dafür wurden die Anforderungen von operativen Einheiten in Österreich und Deutschland an eine mögliche Software erhoben. Im Geschäftsjahr 2025 wurde auf Basis dieser Anforderungen ein Konzept für den Soll-Prozess der Datenerfassung sowie für Aufbau und Funktionsumfang der Software entwickelt. Da es sich um eine mehrjährige Langzeitentwicklung handelt, kann aktuell noch kein Projektende angegeben werden.
Bis zum konzernweiten Einsatz des Tools stammen die Abfallmengen aus dem Rechnungswesen von STRABAG. Hierfür wurde im Geschäftsjahr 2023 eine einheitliche Systematik für die Erfassung von Abfallmengen entwickelt und im Jänner 2024 konzernweit eingeführt. Damit soll in einem ersten Schritt die Datengrundlage verbessert werden. Im nächsten Schritt sollen diese Daten dabei helfen, unsere Wertstoffe besser zu lenken. Zur kontinuierlichen Verbesserung unserer Datenbasis wurde 2025 ein erweitertes Kontrollsystem mit zusätzlichen Verantwortlichen erarbeitet. Dieses soll 2026 getestet und ausgerollt werden. Da es sich um eine mehrjährige Langzeitentwicklung handelt, kann aktuell noch kein Projektende genannt werden.
Zugleich wurden mehrere KPIs zur Wertstrom-Management Kompetenz definiert. Dazu zählen beispielsweise der Rezyklatanteil in unseren selbstproduzierten Baustoffen sowie der Anteil an Wertstoffen aus unseren Baustellen, welcher auf STRABAG-eigenen Wertstrom-Management Standorten verwertet wird. Zurzeit werden die notwendigen Erfassungssysteme und Auswertungen entwickelt. Die KPIs sollen in Zukunft in einem zentralen Dashboard abgebildet werden und zur Ausweitung von Stoffkreisläufen bei STRABAG beitragen.
Als dritte Komponente soll das Netz an STRABAG-eigenen Standorten zum Wertstrommanagement weiter ausgebaut werden, zum Beispiel in Form von Recycling- und Lagerplätzen. Damit sollen in Zukunft mehr Materialien auf eigenen Standorten verwertet werden und mehr Wertstoffe innerhalb des Konzerns im Kreislauf geführt werden können.
Ziele
ESRS E5-3
Aktuell liegen noch keine messbaren, zeitgebundenen und ergebnisbezogenen Ziele im Bereich Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft vor. Diese sind in Arbeit und werden festgelegt, sobald eine ausreichende Datengrundlage besteht. Eine Messbarkeit der Strategien und Maßnahmen ist erst nach der Festlegung dieser Ziele möglich.
STRABAG arbeitet daran, die IT-Infrastruktur weiterzuentwickeln und die Datenbasis für die Produktion und Nutzung von Rohstoffen entlang der Wertschöpfungskette zu erfassen. Damit wollen wir zukünftig quantifizierbare Ziele setzen und Fortschritte messen können. Auch zu diesem Zweck wird derzeit ein Data Governance Framework im Einklang mit der konzernweiten Datenstrategie aufgebaut. Im Berichtsjahr wurden dazu Rollen und Verantwortlichkeiten für verschiedene Datendomänen weiter konkretisiert und in einem Katalog intern veröffentlicht. Neben dem Aufbau der Governance-Struktur wurde an der Weiterentwicklung der Datenspeicherung und -bereitstellung gearbeitet. Dies umfasst die Anbindung weiterer Datenquellen an die zentrale Datenplattform sowie die Standardisierung der Prozesse zur Abholung und Verarbeitung der Daten aus den Quellsystemen.
Bei der Definition der Ziele ist zu berücksichtigen, dass sowohl der Einsatz von Baustoffen als auch die Entstehung von Abfällen in der Bauindustrie projektabhängig sind. Für eine Ressourcenwende sind wir daher auch auf ein Umdenken bei unseren Auftraggeber:innen angewiesen. Wir sehen eine unserer wichtigen Aufgaben darin, Auftraggeber:innen durch nachhaltige und auch ökonomisch attraktive Angebote für zirkuläre Bauwerke zu gewinnen.
Darüber hinaus müssen Bauprodukte, die in der EU eingesetzt werden, Anforderungen an sicherheitsrelevante Funktionen (mechanische Stabilität, Verträglichkeit verschiedener Werkstoffe, etc.) erfüllen und Schadstoff- und Emissionsgrenzwerte einhalten. Daher gibt es auf nationaler und regionaler Ebene Einschränkungen für die Verwendung von Sekundärrohstoffen in Bauprodukten, z.B. in Form von maximal zulässigen Anteilen. Zurzeit wird in einigen EU-Ländern an gesetzlichen Grundlagen zur Entlassung von Wertstoffen aus dem Abfallrecht gearbeitet, um ihren Einsatz als Sekundärrohstoff zu fördern.
Kennzahlen
Ressourcenzuflüsse
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STRABAG betreibt eigene Abbaustätten für Rohstoffe sowie Produktionsanlagen für Baustoffe. Dazu gehören Stein/Kies, Asphalt und Beton. Der überwiegende Teil des verwendeten Zements wird zugekauft. Bitumen, Stahl und Holz werden ausschließlich zugekauft. Aufgrund dieser unterschiedlichen Struktur bestehen verschiedene methodische Zugänge und Annahmen zur Erhebung der Ressourcenzuflüsse sowie der Sekundärrohstoff-Anteile.
Die Haupttätigkeit von STRABAG sind Bauprojekte in den Bereichen Verkehrswegebau, Hoch- und Ingenieurbau. Zur Errichtung der Bauwerke sind folgende Baustoffe wesentlich: Stein, Kies, Beton, Zement, Asphalt, Bitumen, Stahl und Holz. Stein, Kies, Beton und Asphalt stellt STRABAG – zusätzlich zum Einkauf – auch in großen Mengen selbst her. Zement zur Produktion von Beton sowie Bitumen für die Asphaltherstellung sind daher wichtige Materialien aus unserer vorgelagerten Lieferkette. Darüber hinaus setzen wir Wasser an verschiedenen Stellen unserer eigenen Baustoffproduktion ein, zum Beispiel als Hauptbestandteil von Beton. Kritische Rohstoffe spielen bei STRABAG nur eine untergeordnete Rolle. Sie sind lediglich als Bestandteil von eingekauften Bauprodukten zu finden.
Neben dem Kerngeschäft Bau bietet STRABAG weitere Dienstleistungen, u. a. auch in der Abfallentsorgung an. Dazu gehören die Verwertung und Deponierung von Abfällen aus eigenen Aktivitäten sowie von Kund:innen. Die an unseren Standorten angenommenen Abfälle entsprechen in ihrer Art unseren eigenen Abfällen. STRABAG betreibt eigene Recyclinganlagen sowie Deponien. Zusätzlich bauen und betreiben wir Deponien für Kund:innen. Die aus dem Geschäftsfeld Abfallentsorgung zugeordneten Abfälle Dritter werden im vorliegenden Bericht als Ressourcenzufluss gesondert ausgewiesen.
Für die Errichtung von Bauwerken ist eine Vielzahl von Baumaschinen und -geräten nötig, wie Krane, Walzen, Bagger und Radlader. Im Gegensatz dazu spielen Verpackungsmaterialien im Ressourcenverbrauch von STRABAG eine untergeordnete Rolle, da unsere wichtigsten Materialien nicht in herkömmlichen Verpackungen angeliefert werden. Unsere Baustoffe werden in wesentlichen Mengen als Schütt- oder Mischgüter direkt mit LKWs angeliefert. Daher sind in unseren Parametern Gewichte oder Anteile von Verpackungsmaterialien nicht enthalten.
Berichtet werden die sechs mengenmäßig größten Materialströme, die zur Herstellung unserer Produkte und zur Bereitstellung unserer Dienstleistungen verwendet wurden. Als wichtigster biologischer Baustoff wurde Holz ausgewählt. Zusammen bilden diese Baustoffe etwa 72 % der Kosten aller Baumaterialien ab. Die Daten für Asphalt, Bitumen, Zement, Beton, Stahl und Holz enthalten nur fremd zugekaufte Materialien, nicht die eigene Produktion von Baustoffen. Die berichteten Einkaufsmengen fließen unter anderem in unsere Baustoffproduktion ein (Bitumen und Stein/Kies im Asphalt, Zement und Stein/Kies im Beton). Die Mengen aus eigener Baustoffproduktion werden daher nicht in die Kennzahlen miteinbezogen, um Doppelzählungen zu vermeiden. Bei der berichteten Menge von Stein und Kies sind neben den zugekauften Mengen auch jene enthalten, die aus eigenen Steinbrüchen und Kieswerken der Erde entnommen wurden sowie die recycelten Zuschlagsstoffe, die in unseren Asphalt- und Betonmischanlagen landen. Zur Ermittlung der Teilmenge aus eigenem Abbau wurde angenommen, dass die Verkaufsmengen den Abbaumengen entsprechen. Wir gehen davon aus, dass Lagerstände aus dem Abbau vernachlässigt werden können, da diese annähernd gleichbleiben.
Die Mengendaten von Stein/Kies, Asphalt, Beton und Holz wurden auf Basis von Euro-Werten und Durchschnittspreisen errechnet. Die Euro-Werte stammen aus dem Rechnungswesen von STRABAG. Für den Durchschnittspreis von Holz wurden Daten aus dem Einkauf von Züblin Timber herangezogen. Für die Durchschnittspreise von Stein/Kies, Asphalt und Beton wurden Daten aus der eigenen Produktion dieser Baustoffe herangezogen. Eine Ausnahme ist die Teilmenge der recycelten Zuschlagsstoffe an der Gesamtmenge von Stein/Kies. Diese Daten sind nicht Euro-basiert. Stattdessen werden die Mengen direkt in den Produktionsanlagen erfasst.
Die Mengendaten von Bitumen, Zement und Baustahl stammen aus dem Rechnungswesen von STRABAG. Für diese Baustoffe werden länderspezifische Durchschnittspreise anhand der Mengen und Kosten gebildet. Ausgehend vom Durchschnittspreis wird eine Preisspanne festgelegt. Buchungen innerhalb dieser Preisspanne werden mit ihrem Mengenwert in die Berechnung der Kennzahlen einbezogen. Mengenbuchungen außerhalb der Preisspanne werden mit ihrem jeweiligen Durchschnittspreis und der Höhe der Kosten in die Berechnung der Kennzahlen einbezogen. So entsteht pro Baustoff und Land eine Gesamtmenge zur Bildung der Kennzahlen.
Eingesetzte Materialien
Material | Einheit | 2025 | 2024 |
Stein/Kies | Tsd. t | 78.948 | 79.878 |
Bitumen | Tsd. t | 765 | 781 |
Asphalt | Tsd. t | 4.025 | 4.520 |
Zement | Tsd. t | 1.409 | 1.266 |
Beton | Tsd. t | 8.315 | 7.967 |
Baustahl | Tsd. t | 316 | 258 |
Holz | Tsd. t | 53 | 45 |
Holz ist der wichtigste biologische Baustoff für die Herstellung der Produkte und die Bereitstellung der Dienstleistungen von STRABAG. Daher berichten wir trotz der, im Vergleich mit den anderen Baustoffen, deutlich geringeren Menge an verwendetem Holz den Anteil von nachhaltig beschafftem Holz am Gesamtgewicht verwendeter Materialien. Bei der Berechnung verwenden wir Mengendaten, die anhand von Durchschnittspreisen errechnet wurden.
Um den Anteil des bezogenen Holzes aus nachhaltigen Quellen auszuweisen, gehen wir davon aus, dass dieser dem Anteil der PEFC- oder FSC-zertifizierten Waldflächen in den Ländern, aus denen wir Holz beziehen, entspricht. Angaben zum Umgang des bezogenen Holzes nach dessen Lebensende bzw. zum Kaskadenprinzip können nicht gemacht werden. Basierend auf den Angaben des Deutschen Umweltbundesamtes zur Altholzverwertung ist davon auszugehen, dass der Großteil des Holzes nach Lebensende thermisch verwertet wird.
Anteil biologischer Materialien
Holz | Einheit | 2025 | 2024 |
Gesamtgewicht | Tsd. t | 53 | 45 |
Aus nachhaltigen Quellen | Anteil (%) | 75 | 73 |
Berichtet werden die Gewichte und Anteile wiederverwendeter oder recycelter sekundärer Komponenten, Produkte oder Materialien der mengenmäßig größten Materialströme sowie von Holz als wichtigsten biologischem Baustoff. Angaben zu Sekundärrohstoffanteilen für Zement und Bitumen können nicht gemacht werden, da diese als Bindemittel in den Baustoffen Beton und Asphalt verwendet werden. Derzeitige Recyclingprozesse ermöglichen nur das Recycling der Baustoffe und ermöglichen keine Trennung der Baustoffe in ihre Ursprungsmaterialien.
Sekundärrohstoffanteile der bezogenen Baustoffe basieren auf Sekundärrohstoffanteilen in selbst produzierten Baustoffen (Stein/Kies, Asphalt und Beton). Diese Daten werden in den ERP-Systemen der Produktionsbetriebe unterjährig erfasst. Es wird angenommen, dass fremd eingekaufte Baustoffe die gleichen Anteile an Sekundärrohstoffen haben wie Baustoffe, die STRABAG selbst produziert. Die Sekundärrohstoffanteile von Stahl und Holz stammen aus Literaturangaben.
Sekundärrohstoffe
Material | Einheit | 2025 | 2024 |
Stein/Kies | Tsd. t | 1.713 | 1.562 |
Anteil (%) | 2,2 | 2,0 | |
Asphalt | Tsd. t | 593 | 615 |
Anteil (%) | 14,7 | 13,6 | |
Beton | Tsd. t | 8,2 | 9,1 |
Anteil (%) | 0,1 | 0,1 | |
Baustahl | Tsd. t | 133 | 109 |
Anteil (%) | 42,1 | 42,1 | |
Holz | Tsd. t | 11 | 10 |
Anteil (%) | 21,3 | 21,3 |
Geschäftsfeld Abfallwirtschaft
In den untenstehenden Tabellen werden jene Abfälle ausgewiesen, die aus dem Geschäftsfeld der Abfallwirtschaft entstehen. Die Erhebung dieser Abfallströme erfolgt analog zu unseren eigenen Abfällen.
Angenommene Abfälle von Externen
Einheit | 2025 | 2024 | |
Gesamtmenge | Tonne | 2.527.833 | 2.412.989 |
Nicht gefährlicher Abfall | Tonne | 2.375.788 | 2.362.265 |
Gefährlicher Abfall | Tonne | 152.045 | 50.724 |
Angenommene Abfälle von Externen, die der Verwertung zugeführt werden
Einheit | 2025 | 2024 | |||||
Vorbereitung zur Wiederverwendung | Recycling | Sonstige Verwertungsverfahren | Vorbereitung zur Wiederverwendung | Recycling | Sonstige Verwertungsverfahren | ||
Gesamtmenge | Tonne | 1.321.554 | 74.055 | 987.132 | 1.279.066 | 51.463 | 997.870 |
Nicht gefährlicher Abfall | Tonne | 1.321.554 | 74.055 | 979.859 | 1.279.066 | 51.463 | 987.001 |
Gefährlicher Abfall | Tonne | 0 | 0 | 7.273 | 0 | 0 | 10.869 |
Angenommene Abfälle von Externen, die der Beseitigung zugeführt werden
Einheit | 2025 | 2024 | |||||
Verbrennung1 | Deponierung | Sonstige Arten der Beseitigung1 | Verbrennung1 | Deponierung | Sonstige Arten der Beseitigung1 | ||
Gesamtmenge | Tonne | - | 145.092 | - | - | 84.590 | - |
Nicht gefährlicher Abfall | Tonne | - | 321 | - | - | 44.735 | - |
Gefährlicher Abfall | Tonne | - | 144.771 | - | - | 39.855 | - |
1Eine Verbrennung von Abfällen sowie sonstige Beseitigungsverfahren finden bei STRABAG als Abfallbehandler nicht statt.
Ressourcenabflüsse
ESRS E5-5
Bauwerke werden zunehmend kreislauforientiert geplant und gebaut. Das ist allerdings projektabhängig und wird maßgeblich durch die Anforderungen unserer Auftraggeber:innen beeinflusst. Bei der Herstellung unserer eigenen Baustoffe arbeiten wir daran, diese kreislaufgerechter zu gestalten. Der Zentralbereich TPA sowie unsere Produktionsanlagen entwickeln und testen Baustoffe mit höheren Anteilen an Sekundärrohstoffen. Die Zugabe von sogenannten Rejuvenatoren soll Bitumen aus Altasphalt seine Ursprungseigenschaften zurückgeben und den Altasphalt so für den Einsatz in neuem Mischgut aufbereiten. Die Entwicklung von alternativen Bindemitteln soll dazu beitragen, dass vermehrt erneuerbare Rohstoffe im Bau eingesetzt werden und Baustoffe in Zukunft besser wiederverwendet oder verwertet werden können.
Die Haltbarkeit und die Reparierbarkeit unserer Produkte hängen bei Baustoffen von ihrer konkreten Verwendung innerhalb eines Bauwerks ab. Bauwerke selbst sind Unikate und können aus tausenden verschiedenen Bestandteilen bestehen. Aktuell existiert kein branchenspezifisches Bewertungsschema. Angaben zur Haltbarkeit, Reparierbarkeit oder auch zum recycelbaren Anteil sind daher schwer vergleichbar und bieten wenig Aussagekraft.
Anders verhält es sich beim recycelbaren Anteil unserer Produkte. Die wichtigsten selbst produzierten Baustoffe von STRABAG (Stein/Kies, Asphalt und Beton) sind alle zu 100 % recycelbar. In der Praxis kann diese Recyclingquote allerdings aufgrund gesetzlicher Einschränkungen und Normen nicht erfüllt werden. Wenn die genannten Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zu Baustoffen voranschreiten, kann die Bauindustrie daher einen erheblichen Beitrag zum Übergang in eine Kreislaufwirtschaft leisten.
Berichtet werden Abfallströme, welche von externen Entsorgungsunternehmen verwertet oder beseitigt werden. Die Daten werden unterjährig im Rahmen des Rechnungswesens erfasst. Für jede Abfallfraktion werden länderspezifische Durchschnittspreise anhand der Mengen und Kosten gebildet. Ausgehend vom Durchschnittspreis wird eine Preisspanne festgelegt. Mengenbuchungen innerhalb dieser Preisspanne werden mit ihrem Mengenwert in die Berechnung der Kennzahlen einbezogen. Mengenbuchungen außerhalb der Preisspanne werden mit ihrem jeweiligen Durchschnittspreis und der Höhe der Kosten in die Berechnung der Kennzahlen einbezogen. So entsteht pro Abfallfraktion und Land eine Gesamtmenge zur Bildung der Kennzahlen.
Jede Abfallfraktion wird einer der folgenden Prämissen zugeteilt: Vorbereitung zur Wiederverwendung, Recycling, sonstige Verwertung für verwertete Abfälle sowie Verbrennung oder Deponierung für beseitigte Abfälle. Die Zuordnung zu den Prämissen basiert auf der Erfahrung von Entsorgungsexpert:innen bei STRABAG sowie gängigen Angaben der Fachverbände aus der Bauwirtschaft.
Dabei grenzen wir die Vorbereitung zur Wiederverwendung und das Recycling bewusst von sonstigen Verwertungsverfahren ab. Damit die Kreislaufwirtschaft langfristig erfolgreich wird, ist es wichtig, Rohstoffe und Materialien so aufzubereiten, dass sie ihre ursprüngliche Materialqualität möglichst lange behalten oder in anderen hochwertigen Anwendungen eingesetzt werden können. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn klar zwischen hochwertigen Verwertungsverfahren (Vorbereitung zur Wiederverwendung, Recycling) und minderwertiger Verwertung (Downcycling, Verfüllung, etc.) unterschieden wird. Wir plädieren daher dafür, in den gesetzlichen Grundlagen eine klare Abgrenzung zu definieren und den endgültigen Verbleib von Abfällen als Angabe von Entsorgungsunternehmen gegenüber ihren Kund:innen verpflichtend zu machen.
Wir gehen davon aus, dass unsere Abfälle nicht anderweitig beseitigt werden und dass jede Abfallfraktion zu 100 % auf eine der genannten Arten verwertet oder beseitigt wird.
Abfallaufkommen
Einheit | 2025 | 2024 | |
Gesamtmenge | Tonne | 11.808.594 | 12.172.728 |
Nicht gefährlicher Abfall | Tonne | 11.463.970 | 11.861.361 |
Gefährlicher Abfall | Tonne | 344.624 | 311.367 |
Verwertete Abfälle
Einheit | 2025 | 2024 | |||||
Vorbereitung zur Wiederverwendung | Recycling | Sonstige Verwertungsverfahren | Vorbereitung zur Wiederverwendung | Recycling | Sonstige Verwertungsverfahren | ||
Gesamtmenge | Tonne | 92.065 | 2.032.920 | 8.257.302 | 168.636 | 2.466.511 | 8.129.833 |
Nicht gefährlicher Abfall | Tonne | 92.065 | 2.032.920 | 8.245.645 | 168.636 | 2.466.511 | 8.103.934 |
Gefährlicher Abfall | Tonne | 0 | 0 | 11.657 | 0 | 0 | 25.899 |
Beseitigte Abfälle
Einheit | 2025 | 2024 | |||||
Verbrennung | Deponierung | Sonstige Arten der Beseitigung | Verbrennung | Deponierung | Sonstige Arten der Beseitigung | ||
Gesamtmenge | Tonne | 283.585 | 1.142.722 | - | 251.025 | 1.156.723 | - |
Nicht gefährlicher Abfall | Tonne | 280.758 | 812.582 | - | 221.645 | 900.634 | - |
Gefährlicher Abfall | Tonne | 2.827 | 330.140 | - | 29.379 | 256.089 | - |
Nicht recycelte Abfälle
Einheit | 2025 | 2024 | |
Gesamtmenge | Tonne | 9.683.609 | 9.537.581 |
Anteil | % | 82 | 78 |
Die relevanten Abfallströme von STRABAG sind Bau- und Abbruchabfälle. Dabei sind Bodenaushub (Boden, Steine, Baggergut und Gleisschotter), Betonabbruch, Bauschutt (Gemisch aus Beton, Ziegel, Fliesen, Keramik), Asphaltabbruch, Bitumengemische und gemischte Bauabfälle (Holz, Glas, Kunststoff, Metalle, Dämmstoffe und Gips) die wichtigsten Abfallfraktionen, die im Rahmen unserer Geschäftstätigkeiten anfallen. Radioaktive Abfälle fallen bei Bautätigkeiten nur in Einzelfällen an, zum Beispiel beim Rückbau von Atomkraftwerken. Hierzu werden wir nur in jenen Jahren berichten, in denen wir relevante Bauprojekte durchführen.
Quellenangaben – Kapitel Kreislaufwirtschaft
Deutsches Umweltbundesamt, 2019: Altholz, abgerufen am 18.2.2026