Nachhaltigkeitsmanagement

Governance

ESRS 2 GOV-1; ESRS 2 GOV-2

Um die Nachhaltigkeitsziele von STRABAG zu erreichen, braucht es eine Führungs- und Verantwortlichkeitsstruktur, die alle Vertreter:innen des Konzerns einbindet. Im Folgenden werden die wichtigsten Organe und Gremien der STRABAG SE beschrieben, die mit der Beaufsichtigung und dem Management von Nachhaltigkeitsagenden betraut sind. Die Governance-Struktur und die damit verbundenen Verantwortlichkeiten und Aufsichtspflichten sind in der konzernweit gültigen Konzernrichtlinie Nachhaltigkeit formal geregelt. Die untenstehende Abbildung zeigt eine Übersicht der Organe und Gremien.

Governance-Struktur

Rolle der höchsten Kontrollorgane

Der Aufsichtsrat bildet das Kontrollorgan innerhalb der STRABAG SE. Zu diesem Zweck finden regelmäßige (mindestens vier Mal im Geschäftsjahr) Sitzungen und eine anlassbezogene Kommunikation statt, um den Aufsichtsrat zu allen relevanten Fragen der Geschäftsentwicklung, einschließlich der Risikolage und des Risikomanagements zu informieren und in etwaige Entscheidungsprozesse einzubinden. Darüber hinaus kann der Aufsichtsrat Berichte des Vorstands verlangen und in Bücher, Schriften sowie Vermögensgegenstände der Gesellschaft Einsicht nehmen. Der Vorstandsvorsitzende berichtet dem Aufsichtsrat zu Nachhaltigkeitsagenden, darunter etwa zu strategischen Zielsetzungen sowie zur Fortschrittserreichung anlassbezogen bzw. gesondert in einem jährlichen ESG-Update (seit 2024). Der Vorstand berichtet dem Aufsichtsrat zumindest einmal jährlich über die Vorkehrungen zur Bekämpfung von Korruption. Ebenso wird der Aufsichtsrat im Fall von tödlichen Arbeitsunfällen informiert. Als oberstes Kontrollorgan nimmt er eine zentrale Rolle in der Überwachung und Prüfung der jährlichen Nachhaltigkeitsberichterstattung des Konzerns ein. Der Aufsichtsrat hat gemeinsam mit dem Wirtschaftsprüfer die Umsetzung der neuen gesetzlichen Pflichten zur Nachhaltigkeitsberichterstattung erörtert. In diesem Zusammenhang wurden die vom Wirtschaftsprüfer identifizierten Verbesserungsvorschläge eingehend diskutiert. Einen gesonderten Nachhaltigkeitsausschuss gab es im Berichtszeitraum nicht.

Der Vorstand der STRABAG SE bildet das Führungsorgan des Konzerns. Er trägt die Verantwortung für die unternehmerische Leitung des Konzerns. In den Vorstandssitzungen (in der Regel alle zwei Wochen stattfindend) werden neben dem laufenden Geschäft auch die Umsetzung der langfristigen Unternehmensstrategien behandelt. Dazu zählen insbesondere auch Themen der Nachhaltigkeit, die einen zentralen Stellenwert einnehmen und in jeder Vorstandssitzung als eigener Tagesordnungspunkt behandelt werden. Dieser Tagesordnungspunkt wird aufgrund der konzernweiten Verankerungen des ESG-Managements von unterschiedlichen Fachabteilungen eingebracht. Sie bereiten umfassende Analysen vor, die dem Vorstand als Grundlage für Zielsetzungen dienen. Durch die regelmäßige Berichterstattung im Rahmen der Vorstandssitzungen, aber auch im Rahmen anderer Meetings sowie bei Konzerntagungen, wird der Fortschritt der strategischen Ziele berichtet und so durch den Vorstand überwacht.

Die Einbindung von Vorstandsmitgliedern in strategische Nachhaltigkeitsinitiativen und -gremien sowie die laufende Berichterstattung sorgen dafür, dass der STRABAG SE-Vorstand regelmäßig sowie anlassbezogen zu wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen und damit verbundenen Auswirkungen, Risiken und Chancen weitergebildet und informiert wird, um nach Bedarf richtungsweisende Entscheidungen im Konzern treffen zu können. Der Vorstandsvorsitzende (CEO) sowie der Finanzvorstand (CFO) werden jährlich zu den Ergebnissen der Wesentlichkeitsanalyse (einschließlich Auswirkungen, Risiken und Chancen) informiert und geben diese frei. Dieser Prozess ist durch die Konzernrichtlinie Nachhaltigkeit im Konzern verankert.

Entsprechend der internationalen Ausrichtung und Organisation der STRABAG SE trägt jedes Vorstandsmitglied die Verantwortung für eine oder mehrere Konzerneinheiten, die sowohl geografisch und/oder nach Geschäftsfeldern strukturiert sind. Zur Beaufsichtigung der nachhaltigkeitsbezogenen Auswirkungen, Risiken und Chancen, die den gesamten Konzern betreffen, kommt daher den Leitungen der Unternehmens-, Zentral- und Konzernstabsbereiche eine besondere Rolle zu, indem diese regelmäßig und direkt an den Vorstand berichten.

Die beschriebenen Berichterstattungsmechanismen an den Vorstand und an den Aufsichtsrat tragen dafür Sorge, dass beide Gremien zu aktuellen Nachhaltigkeitsthemen einschließlich zur nachhaltigkeitsbezogenen Risikolage informiert sind und so ihren Funktionen als Leitungs- bzw. als Kontrollorgan nachkommen können. Zu den Leitungsaufgaben des Vorstands zählen insbesondere die Festlegung der Unternehmenspolitik auf weite Sicht (strategisches Management) sowie die Planung, Organisation und Kontrolle in Bezug auf die Verfolgung der Unternehmensziele. In der Geschäftsordnung des STRABAG-Konzerns sind konkrete Geschäftsvorfälle geregelt, die der Zustimmung des Vorstands bedürfen. Dazu zählen unter anderem die strategische und operative Planung sowie Maßnahmen im Personalbereich, wie etwa die Ernennung von Personen im Management. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass der Vorstand seiner Funktion als Leitungs- und Kontrollorgan – auch im Bereich des Nachhaltigkeitsmanagements – nachkommen kann. Im Rahmen der Investitions- und Finanzplanung hat der Vorstand zudem die Möglichkeit, Nachhaltigkeitsthemen und nachhaltigkeitsbezogene Risiken angemessen zu berücksichtigen. Die Informationen fließen so auch in strategische Überlegungen sowie wesentliche Transaktionen mit ein, insbesondere in Bezug auf die Erweiterung neuer und marktorientierter Geschäftsfelder. Im Geschäftsjahr wurden im Einklang mit der Strategie 2030 Unternehmenszukäufe im Bereich Wassertechnik, Wertstrommanagement und Dekarbonisierung des Gebäudebestands von Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen. In diesen Geschäftsfeldern sehen die beiden Organe Wachstumspotenziale im Einklang mit den Klimazielen der EU. Durch den weiteren Ausbau des ESG-Risikomanagements und dessen Verzahnung in andere Kontroll- und Risikosysteme des Konzerns wird an einer robusten Grundlage für die Abwägung zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten gearbeitet. Auf dieser Basis können auch operative Maßnahmen zur konsequenten Umsetzung unseres Reduktionspfads gezielt durch den Vorstand beschlossen werden. So hat der STRABAG SE-Vorstand im Geschäftsjahr unter anderem entschieden, konzerneigene Baumaschinen schrittweise mit dem alternativen Kraftstoff HVO 100 zu betreiben.

Neben den internen Berichterstattungsmechanismen trägt auch das aktive Mitwirken an externen Gremien und Austauschformaten zur Nachhaltigkeitskompetenz des Vorstands bei, darunter etwa die Förderung der Stiftung KlimaWirtschaft.

Die untenstehende Tabelle fasst die Zusammensetzung des Vorstands und des Aufsichtsrats im Geschäftsjahr 2025 zusammen.

Zusammensetzung des Vorstands und des Aufsichtsrats

Name

Beginn der laufenden Funktions­­­­­periode

Ende der laufenden Funktionsperiode

Geschlecht

Geburts­jahr

Nationalität

Vorstand

Anzahl der Mitglieder

5

­

Durchschnittliches Verhältnis von weiblichen zu männlichen Mitgliedern des Vorstands

0 %

Dipl.-Ing. Stefan Kratochwill (Vorsitzender)

19.2.20251

31.12.2026

Männlich

1977

Österreich

Klemens Haselsteiner, BBA, BF (Vorsitzender)

1.1.2023

17.1.20252

Männlich

1980

Österreich

Dipl.-Ing. (FH) Péter Glöckler

11.8.2025

31.12.2026

Männlich

1977

Ungarn

Mag. Christian Harder

1.1.2023

31.12.2026

Männlich

1968

Österreich

Dipl.-Ing. (FH) Jörg Rösler

1.1.2023

31.12.2026

Männlich

1964

Deutschland

Dipl.-Ing. Siegfried Wanker

1.1.2023

31.12.2026

Männlich

1968

Österreich

Dipl.-Ing. (FH) Alfred Watzl

1.1.2023

6.8.20253

Männlich

1970

Deutschland

Aufsichtsrat4

Anzahl der Mitglieder

11

Durchschnittliches Verhältnis von weiblichen zu männlichen Mitgliedern des Aufsichtsrats

36 %

Kapital­vertreter:innen

Mag. Kerstin Gelbmann (Vorsitzende)

24.6.2022

Bis zur o. HV5 im Jahr 2028

Weiblich

1974

Österreich

Mag. Erwin Hameseder

24.6.2022

Bis zur o. HV5 im Jahr 2028

Männlich

1956

Österreich

Dr. Andreas Brandstetter

24.6.2022

Bis zur o. HV5 im Jahr 2028

Männlich

1969

Österreich

Dr. Valerie Hackl

25.1.2024

Auf unbestimmte Zeit entsandt

Weiblich

1982

Österreich

Dipl.-Ing. Sebastian Haselsteiner

13.6.2025

Bis zur o. HV5 im Jahr 2029

Männlich

1979

Österreich

Mag. Gabriele Schallegger

24.6.2022

Bis zur o. HV5 im Jahr 2028

Weiblich

1972

Österreich

Vom Betriebsrat entsandt

Dipl.-Ing. Andreas Batke

1.10.2009

Auf unbestimmte Zeit entsandt

Männlich

1962

Deutschland

Karl Gerdes

1.8.2024

Auf unbestimmte Zeit entsandt

Männlich

1963

Deutschland

Magdolna P. Gyulainé

1.10.2009

Auf unbestimmte Zeit entsandt

Weiblich

1962

Ungarn

Georg Hinterschuster

13.10.2014

Auf unbestimmte Zeit entsandt

Männlich

1968

Österreich

Daniel Riesenberg

1.9.2025

Auf unbestimmte Zeit entsandt

Männlich

1971

Deutschland

1Stefan Kratochwill wurde am 19.2.2025 mit sofortiger Wirkung zum Vorstandsvorsitzenden der STRABAG SE ernannt.

2Klemens Haselsteiner ist am 17.1.2025 plötzlich und unerwartet verstorben.

3Alfred Watzl hat im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat mit Ablauf des 6.8.2025 seinen Rücktritt als Vorstandsmitglied erklärt.

4Fünf von sechs der von der Hauptversammlung gewählten bzw. von den Aktionär:innen entsandten Mitglieder des Aufsichtsrats der STRABAG SE und seiner Ausschüsse sind unabhängig gemäß Regel 53 des ÖCGK.

5Ordentliche Hauptversammlung

Voraussetzungen für die Wahl in den Vorstand der STRABAG SE sind fachliche Qualifikation, persönliche Kompetenz und langjährige Branchen- sowie Führungserfahrung.

Im Vorstand soll ein im Hinblick auf die Geschäftstätigkeit der STRABAG-Gruppe entsprechend breites Spektrum an Kompetenzen sowie Ausbildungs- und Berufshintergründen abgedeckt werden und sich die Vorstandsmitglieder mit ihren Kenntnissen und Fähigkeiten ergänzen. Hierbei ist auf eine ausgewogene Zusammensetzung technischer und kaufmännischer Hintergründe zu achten. Damit verfügt der Vorstand in seiner Gesamtheit über Erfahrung aus den für die STRABAG-Gruppe wesentlichen Geschäftsfeldern.

Die Besetzung des Aufsichtsrats ist über mehrere Mechanismen geregelt. Die Kapitalvertreter:innen werden von der Hauptversammlung gewählt bzw. von Aktionär:innen entsandt. Die Arbeitnehmervertreter:innen werden gemäß dem Arbeitsverfassungsgesetz entsandt.

Durch die aktive Teilnahme von Vorstandsmitgliedern an konzerninternen Arbeitsgruppen mit ESG-Fokus (z. B. EDI-Team, Energietransformation) werden aktuelle Entwicklungen zu den jeweiligen Themen auf höchster Managementebene diskutiert. Die langjährige, internationale Managementerfahrung von Vorstand und Aufsichtsrat fördert den Perspektivenaustausch und unterstützt die Umsetzung konzernweiter strategischer Entscheidungen. Spezifische Expertise im Bereich Nachhaltigkeit und den damit verbundenen Auswirkungen, Risiken und Chancen, wird auch durch Expert:innen in den unterschiedlichen Organisationseinheiten eingebracht. Weiters können Vorstand und Aufsichtsrat bei Bedarf auf externe Expert:innen zurückgreifen.

Das Steering Committee Sustainability (SCS) steuert das konzernweite Nachhaltigkeitsmanagement und überwacht gleichzeitig auch die Erreichung der strategischen Nachhaltigkeitsziele. Die Zusammensetzung und Besetzung des SCS wird auf Basis der Geschäftsfelder festgelegt und bildet weitestgehend unsere Wertschöpfungskette ab. Eine Besetzung im SCS ist mit einer Gewerke- und Themenverantwortung verbunden.

Aufgabenfelder des SCS:

  • Freigabe von Positionspapieren, Politiken und Richtlinien zum Thema Nachhaltigkeit,
  • Überwachung der Strategieumsetzung sowie der definierten Roadmaps zur Zielerreichung,
  • Aufbereitung von Entscheidungsgrundlagen für den STRABAG SE-Vorstand,
  • Erarbeitung und Weiterentwicklung von Nachhaltigkeitsmindeststandards.

Festlegungen des SCS werden mehrmals pro Jahr und anlassbezogen mittels Umlaufbeschlüssen getroffen. Mindestens einmal im Jahr findet ein Präsenztreffen statt.

Das ESG-Management ist nach den Themenbereichen Umwelt, Soziale Verantwortung und Nachhaltige Unternehmensführung gegliedert. Diese Themen werden aufgrund ihrer Bandbreite von unterschiedlichen zentralen Organisationseinheiten im Konzern abgedeckt und bearbeitet. Diese Einheiten sind für die Operationalisierung zuständig. Das bedeutet, sie stellen Rahmenbedingungen und Instrumente bereit, um Anforderungen, Strategien und Maßnahmen von der Managemententscheidung in die Umsetzung zu bringen. Weiters stellen diese zentralen Organisationseinheiten ihre Expertise dem STRABAG SE-Vorstand, dem SCS sowie den Unternehmens-, Zentral- und Konzernstabsbereichen zur Verfügung und sind bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie sowie damit verbundener Anforderungen und Maßnahmen beratend tätig. Die Organisationseinheit „Sustainability - Governance, Reporting & Data“ unterstützt beim Aufbau der Governance-Struktur für das Thema Nachhaltigkeit und ist darüber hinaus für die Organisation und Koordination der Entwicklung und Aktualisierung der Nachhaltigkeitsstrategie sowie für die konzernweite Nachhaltigkeitsberichterstattung verantwortlich.

Die Rolle der:des Human Rights Officer ist eine weitere zentrale Funktion im ESG-Management. Diese ist für die Überwachung des menschenrechtlichen Risikomanagements und des Beschwerdeverfahrens sowie für die Kontrolle seiner Wirksamkeit zuständig und steht dem STRABAG SE-Vorstand sowie den Unternehmens- und Zentralbereichsleitungen, die für die Erfüllung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten verantwortlich sind, beratend zur Seite. Die:der Human Rights Officer agiert weisungsfrei.

Im Netzwerk Nachhaltigkeit ist jeder Unternehmens-, Zentral- und Konzernstabsbereich mit einem nominierten Repräsentanten bzw. einer nominierten Repräsentantin vertreten. Dieses Gremium dient dem Zweck des übergreifenden Erfahrungs- und Wissensaustausches mit Informationen zu Best Practices. Die Repräsentant:innen haben einerseits die Aufgabe, Informationen der Nachhaltigkeitsgremien (SCS, ESG-Management) in ihren Unternehmens-, Zentral- und Konzernstabsbereich zu tragen und ihr Management zu informieren, sowie andererseits auch Informationen über eigene nachhaltigkeitsbezogene Aktivitäten, Maßnahmen und Projekte in das Netzwerk Nachhaltigkeit einzubringen. Zudem sollen Repräsentant:innen bei konzernübergreifenden Projekten sowie Anfragen ihre spezifische Expertise bereitstellen. Das Netzwerk Nachhaltigkeit trifft sich viermal jährlich.

Auf Ebene der Unternehmens-, Zentral- und Konzernstabsbereiche (UB, ZB, KSB) erfolgt die Implementierung und Umsetzung der Nachhaltigkeitsmindeststandards sowie der damit verbundenen Maßnahmen unter Berücksichtigung von gesetzlichen Anforderungen. In Kooperation mit dem ESG-Management sind diese Bereiche für die Entwicklung und Umsetzung der jeweiligen Roadmaps verantwortlich.

ESRS 2 GOV-3

Konzernweit anwendbare, nachhaltigkeitsbezogene Leistungskriterien zur Einbeziehung in Vergütungssysteme werden evaluiert, wobei insbesondere die Festlegung, Messung und Steuerbarkeit von entsprechenden Zielwerten (Key Performance Indicators) noch herausfordernd sind. Nachhaltigkeitskriterien werden daher aktuell nicht für die Vergütung der Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat herangezogen.

ESRS 2 GOV-4

Die Sorgfaltspflicht umfasst die von STRABAG implementierten Prozesse und Verfahren, die darauf abzielen, tatsächliche oder potenzielle negative Auswirkungen auf Umwelt und Menschen zu identifizieren und angemessen damit umzugehen. Die Kernelemente der Sorgfaltspflicht finden sich in der Nachhaltigkeitserklärung wieder.

Kernelemente der Sorgfaltspflicht

Referenz in der Nachhaltigkeitserklärung

Einbindung der Sorgfaltspflicht in Governance, Strategie und Geschäftsmodell

Nachhaltigkeitsmanagement

Einbindung betroffener Interessenträger in alle wichtigen Schritte der Sorgfaltspflicht

Unsere soziale Verantwortung; Eigene Belegschaft; Arbeitskräfte in der Wertschöpfungskette; Betroffene Gemeinschaften

Ermittlung und Bewertung negativer Auswirkungen

Auswirkungen, Risiken und Chancen

Maßnahmen gegen diese negativen Auswirkungen

Unsere soziale Verantwortung

Nachverfolgung der Wirksamkeit dieser Bemühungen und Kommunikation

Unsere soziale Verantwortung

ESRS 2 GOV-5

STRABAG hat verschiedene Kontrollmechanismen etabliert, um eine transparente und regelkonforme Berichterstattung sicherzustellen. Diese sind allerdings nicht in einem dezidierten Risikosteuerungsprozess zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verankert.

ESG-bezogene Risikomanagementprozesse sind durch übergeordnete Konzernvorgaben beschrieben und geregelt, darunter im Managementhandbuch der STRABAG SE mit dazugehörigen Politiken sowie in der 2025 verabschiedeten Konzernrichtlinie Nachhaltigkeit. Die Konzernrichtlinie Nachhaltigkeit definiert die Verantwortlichkeiten sowie Zuständigkeiten für die Bereitstellung von Nachhaltigkeitsdaten und -informationen.

Zur Umsetzung der CSRD-Berichtspflichten besteht eine Steuerungsrunde zwischen Vertreter:innen des ESG-Managements und dem BRVZ, die mehrmals im Jahr tagt. Ausgehend von den ESRS-Anforderungen und bestehenden Datenprozessen hat diese Steuerungsrunde zum Ziel, die Nachhaltigkeitsberichterstattung bei STRABAG weiterzuentwickeln. Kontrollmechanismen wie unterjährige Aufbereitung von Kennzahlen sorgen dafür, dass erhobene Daten plausibilisiert und entsprechende Prozesse anlassbezogen weiterentwickelt werden.

Im Sinne der konzernweiten Datenstrategie und der damit verbundenen Transformation zu einer datengetriebenen Organisation wird eine zunehmende Standardisierung und Automatisierung der Datenerhebung und -aufbereitung angestrebt. Die bereits dafür gesetzten Maßnahmen haben eine langfristige Wirkungsdauer, weshalb in den kommenden Jahren von einem wesentlichen Fortschritt auszugehen ist. Vorgesehen ist auch die Stärkung einer Data-Governance, die u. a. erweiterte Qualitätskontrollen von erhobenen Daten auf unterschiedlichen Hierarchieebenen vorsieht, um diese für die Analyse und Steuerung verfügbar zu machen. Diese sowie weitere Maßnahmen sollen potenzielle Risiken vermeiden, die mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung einhergehen.

Da die Erhebung und Aufbereitung von Nachhaltigkeitsdaten den gesamten Konzern betreffen, ist in der Regel die Freigabe seitens des STRABAG SE-Vorstandes bzw. der betroffenen Managementführungen einzuholen. Eine Informationsweitergabe erfolgt daher anlassbezogen.

Wertschöpfungskette und Strategie

ESRS 2 SBM-1

Die Baubranche und damit auch STRABAG stehen vor großen Herausforderungen: Die Eindämmung des Klimawandels erfordert eine signifikante Treibhausgasreduktion, insbesondere von klimaintensiven Industriesektoren wie der Baubranche. Um den Bedarf an Wohnraum und Infrastruktur zu decken, müssen bestehende Gebäude saniert und neue Bauwerke nachhaltig errichtet werden. Innovative Bauweisen sind daher erforderlich, um diese Aktivitäten mit neuen bzw. künftigen Anforderungen hinsichtlich Energieeffizienz, Flächen- und Ressourcenverbrauch in Einklang zu bringen. Dies verpflichtet STRABAG zu vorausschauendem Handeln, verdeutlicht aber auch, dass es sich beim Bausektor um eine Schlüsselindustrie zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen handelt.

Leistungen entlang der gesamten Bau­wertschöpfungskette

STRABAG ist vorwiegend in Europa tätig und bietet insbesondere in ihren Kernmärkten in Zentral-Osteuropa Leistungen entlang der gesamten Bauwertschöpfungskette an – entsprechend vielseitig sind die Tätigkeiten unseres Unternehmens. Im außereuropäischen Geschäft fokussiert sich STRABAG vor allem auf die angelsächsische Region sowie auf langjährige Bestandsmärkte in Südamerika und im Nahen Osten. Im Jahr 2025 wurde mit dem Erwerb der Georgiou Group auch Australien mit einem Flächengeschäft erschlossen.

So divers wie unsere Wertschöpfungskette sind auch die Fähigkeiten und Kompetenzen unserer 88.556 Mitarbeitenden, die unsere Leistungen erbringen. Partnerschaftlichkeit, Vertrauen und Verlässlichkeit sind zentrale Werte, mit denen wir gegenüber unseren Stakeholdern auftreten.

Das Angebot von STRABAG umfasst sämtliche Bereiche der Bauindustrie und deckt die gesamte Bauwertschöpfungskette ab. Die zentralen Produkte von STRABAG sind daher Bauwerke aller Art, die den Schwerpunkt der Unternehmensaktivitäten bilden und 85 % der Konzernleistung ausmachen. Dazu zählen sowohl Hochbauprojekte als auch Infrastrukturvorhaben in den Bereichen Verkehrswege, Brücken, Tunnel, Schieneninfrastruktur, öffentlicher Nahverkehr sowie Energie- und Wasserinfrastruktur. Mit knapp 70 % wird ein erheblicher Teil dieser Baudienstleistungen im Rahmen öffentlicher Aufträge umgesetzt und dient der allgemeinen Nutzung. Ergänzend verfügt STRABAG über ein dichtes Baustoffproduktionsnetzwerk und bietet Leistungen in den Bereichen Planung, Projektentwicklung sowie der baulichen Sanierung und Dekarbonisierung von Gebäuden und deren Betrieb an. Per 1.1.2025 bündelte STRABAG ihre Kompetenzen im Bereich der Energie- und Wasserinfrastruktur im neuen Unternehmensbereich „Energy Infrastructure“.

Aufgrund dieser vielfältigen Geschäftsbereiche ergeben sich mehrere Wertschöpfungsketten innerhalb des Konzerns. Für eine gezielte Darstellung wird der Fokus auf das Kerngeschäft, die Erbringung von Baudienstleistungen, gelegt. Die folgenden Beschreibungen orientieren sich daher an den Lebenszyklusphasen von Bauwerken und umfassen die wesentlichen Aktivitäten sowie die wichtigsten Partner:innen entlang dieses Prozesses.

Darstellung der Wertschöpfungskette von STRABAG SE für Angabepflichten im Zusammenhang mit ESRS 2 SBM-1

Baustoffproduktion

STRABAG verfügt über ein dichtes Netzwerk von eigenen Produktionsanlagen, um die Baustoffversorgung aus eigenen Ressourcen sicherzustellen. Zu den wichtigsten Baustoffen zählen Asphalt, Beton, Zement sowie Stein und Kies, die sowohl für den Eigenbedarf genutzt als auch zum Verkauf an Dritte angeboten werden. Insbesondere bei Asphalt wird mit 86 % eine besonders hohe Eigenversorgungsrate erreicht. Die weiteren eingesetzten Baustoffe und Rohstoffe werden großteils von regionalen Zulieferern zugekauft, um Transportkosten wirtschaftlich zu halten. Mit strategischen Zielsetzungen zur Erweiterung unserer Kompetenzen in der Beschaffung und im Handling von Baustoffen sowie im Rückbau und Recycling wird die Erhöhung der Ressourceneffizienz angestrebt. Damit können nicht nur die Abhängigkeiten von Dritten, sondern auch menschenrechtliche Risiken und Compliance-Risiken, die aus komplexen globalen Lieferketten entstehen können, reduziert werden. Unsere Produktionsanlagen sind auch ein wichtiger Hebel zur Dekarbonisierung des Konzerns, indem etwa Asphaltmischanlagen auf erneuerbare Energieträger umgestellt werden. Neben mineralischen Baustoffen verwendet STRABAG - wenn auch im vergleichsweise geringerem Umfang - nachwachsende Rohstoffe, unter anderem auf Basis von Holz, Stroh oder Hanf. Mit dem Erwerb der Naporo Klima Dämmstoff GmbH im Geschäftsjahr 2024 erweitert STRABAG ihr Produktportfolio im Bereich nachhaltiger Baustoffe und verfolgt das strategische Ziel, die Produktion von nachwachsenden Rohstoffen weiter auszubauen.

Projektentwicklung

Die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus von Bauwerken in der Planungsphase ist entscheidend für zukunftsorientiertes Bauen, das von Trends wie zunehmender Urbanisierung und der Klimakrise geprägt ist. Konkrete politische Zielsetzungen, etwa im Rahmen des Europäischen Green Deals, fordern eine emissionsarme Errichtung und den Betrieb von Bauwerken sowie eine Steigerung der Sanierungsraten. Trotz dieser Zielsetzungen werden Nachhaltigkeitskriterien wie jene der EU-Taxonomie derzeit in der Regel noch nicht in Ausschreibungen berücksichtigt. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Auftraggeber:innen wird daher als wichtiges Mittel angesehen, um Bauwerke entsprechend neuer Anforderungen zu entwerfen und zu planen. Mit TEAMCONCEPT verfolgt STRABAG ein Partnering-Modell, bei dem Auftraggeber- und Auftragnehmerschaft schon in der Planungsphase ein Team bilden. STRABAG bietet weitere planungsbezogene Beratungsdienstleistungen an (z. B. Potenzialanalyse Nachhaltigkeit), die konkret auf Nachhaltigkeitsanforderungen von Bauwerken abzielen und Auftraggeber:innen schon frühzeitig in die Planung und Entwicklung von Projekten miteinbeziehen. Ein zusätzlicher Mehrwert für Kund:innen und Partner:innen ergibt sich durch die breite Implementierung der ISO 9001-Zertifizierung innerhalb der STRABAG-Gruppe. Die Zertifizierung steht für ein strukturiertes und transparentes Qualitätsmanagementsystem. Damit schafft sie Vertrauen in die Qualität unserer Leistungen und unterstützt eine effiziente Zusammenarbeit. Im Jahr 2025 waren, gemessen am Umsatz, rund 99,6 % des Flächengeschäfts ISO 9001 zertifiziert.

Die Entwicklung von Immobilien-, Infrastruktur- und Erneuerbare Energie-Projekten zählt ebenso zum Leistungsportfolio des Konzerns. STRABAG entwickelt, errichtet, verkauft und vermietet Immobilienprojekte, wobei der Fokus auf Gebäudeentwicklungen liegt, die ressourcenschonend gebaut und energieeffizient betrieben werden. Zudem betreibt STRABAG seit mehr als drei Jahrzehnten erfolgreich das Geschäftsfeld der Betreibermodelle und verfügt in den Bereichen Mobilitäts-, Energie- und Wasserinfrastruktur sowie soziale Infrastruktur (Hochbau) über ein Portfolio von 44 Public-Private-Partnership-Projekten (PPP).

Baudienstleistungen

Der Bau von Projekten bildet den Kern des Geschäftsmodells von STRABAG, wobei die Sparten Verkehrswegebau und Hochbau im Jahr 2025 fast 70 % unserer Leistung ausmachten. Im Hochbau stärker als im Verkehrswegebau vergibt STRABAG Gewerke auch an Nachunternehmen und kann Kapazitäten so flexibler dem aktuellen Marktumfeld anpassen. Mit den beiden Sparten leistet STRABAG einen Beitrag für Kommunen und andere öffentliche Auftraggeber:innen, vor allem durch den Ausbau von Infrastruktur, insbesondere im Bereich Mobilität und Wohnraum; durch das Dienstleistungsangebot zur Instandhaltung von Infrastruktur erhält STRABAG außerdem nachhaltig Aufträge und wiederkehrende Erlöse. Von der wirtschaftlichen Stabilität des Konzerns profitieren die Mitarbeitenden ebenso wie Investor:innen. Mitarbeitende erhalten die Sicherheit stabiler Arbeitsplätze und Einkommen, während Investor:innen kontinuierliche Renditen, ein reduziertes Risiko sowie eine nachhaltige Wertsteigerung ihrer Beteiligungen erwarten können. Die Transformation unserer Bauprozesse ist ein wesentlicher Hebel zur Erreichung unserer Nachhaltigkeitsziele. Ein Großteil der Emissionen von STRABAG ist energiebedingt, weshalb der Betrieb von Baumaschinen ein zentrales Handlungsfeld in unserem Transformationsplan darstellt.

Dienstleistungen zur Dekarbonisierung der Baubranche

Gebäudebetrieb

Im Jahr 2022 machte der Betrieb von Gebäuden global betrachtet etwa 26 % der energiebedingten Treibhausgasemissionen aus (IEA, 2023). Neben dem klassischen Facility Management setzt STRABAG auf die Ausweitung angebotener Dienstleistungen im Bereich der technischen Gebäudeausrüstung, um insbesondere ein nachhaltiges Energiemanagement bei einer Bandbreite unterschiedlicher Gebäude – angefangen von eigenen Konzernimmobilien über Alt- und Neubauten bis hin zu hochkomplexen Immobilien, etwa im Gesundheitsbereich – zu implementieren und zu betreuen und dadurch zur Dekarbonisierung von Bestandsgebäuden beizutragen.

Sanierung

Mit der Errichtung und dem Betrieb von Bauwerken ist ein hoher Ressourcenaufwand verbunden: Neben dem Energieverbrauch ist der Materialaufwand des Bausektors von erheblicher Umweltrelevanz. Unter anderem der Abriss und Rückbau von Gebäuden, bei dem große Mengen an Bauschutt und schwer recycelbaren Materialien anfallen, sowie die geringen Wiederverwertungs- und Recyclingquoten vieler Baustoffe sorgen dafür, dass der Bausektor zu den abfallreichsten Industriezweigen zählt (Europäische Kommission, o. J.). Das Handlungsfeld Bauen im Bestand vereint die geforderten Aktivitäten, um Bestandsgebäude nachhaltig zu nutzen und sowohl energetische als auch materielle Ressourcen zu schonen: Rückbau, Instandsetzung, Sanierung, Modernisierung.

Rückbau & Recycling

Um den Kreis zu einer zirkulären Wirtschaftsweise zu schließen, bietet STRABAG auch Dienstleistungen für die Phasen Abbruch und Rückbau an, darunter auch Dienstleistungen im Bereich Baustoffrecycling. So sollen Ressourcen geschont, Materialien hochwertig aufbereitet und deren Deponierung vermieden werden.

Beitrag zu Nachhaltigkeitszielen

STRABAG bietet somit eine Bandbreite an Dienstleistungen an, die im Einklang mit globalen Nachhaltigkeitszielen stehen. Durch den Bau, Ausbau und die Modernisierung von Infrastruktur trägt STRABAG wesentlich zur Entwicklung von Städten und Regionen bei. Dazu gehören vor allem Baudienstleistungen im Bereich der Schienen- und Energieinfrastruktur, die Errichtung energieeffizienter Gebäude sowie Projekte, die auf eine Anpassung an die Folgen des Klimawandels ausgerichtet sind. Gleichzeitig bestehen durch aktuelle Bauweisen und -praktiken Herausforderungen, da Bauprojekte in der Regel mit hohen Emissionen, Flächenverbrauch und Eingriffen in Ökosysteme verbunden sind. Besonders der Einsatz energieintensiver Materialien wie Beton und Asphalt sowie der Einsatz fossil betriebener Baumaschinen stehen im Spannungsfeld zu Klimazielen, auch wenn Fortschritte bei Recycling, alternativen Baustoffen und emissionsarmen Antriebstechnologien erzielt werden. Durch digitale Planungsmethoden wie Building Information Modeling (BIM) wird zudem eine präzisere Ressourcennutzung ermöglicht.

Zur Bewertung unserer Nachhaltigkeitsleistung hat STRABAG im Geschäftsjahr 2025 ein „SDG Impact Assessment“ durchgeführt. Ziel war es, unsere Geschäftsaktivitäten im Hinblick auf die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen zu analysieren. Die Ergebnisse der Bewertung sind dem ESG Data Factsheet zu entnehmen.

Um negative Auswirkungen zu minimieren, hat sich STRABAG strategische Nachhaltigkeitsziele gesetzt und arbeitet kontinuierlich an der nachhaltigen Transformation des Unternehmens. Diese umfasst die Weiterentwicklung von Produkten und Dienstleistungen, z. B. den Einsatz nachhaltiger Baumaterialien und Bauweisen ebenso wie Maßnahmen zur Wahrung unserer sozialen Verantwortung gegenüber unseren eigenen Mitarbeitenden, jenen der Lieferkette sowie lokalen Gemeinschaften.

Erweiterung unserer Nachhaltigkeits­strategie

Um das hohe Chancenpotenzial unserer Wertschöpfungskette strategisch zu verankern, hat STRABAG bereits im Jahr 2021 eine erste Nachhaltigkeitsstrategie, die ein klares Bekenntnis zur Dekarbonisierung der Wertschöpfungskette bis 2040 enthält, verabschiedet. Die Nachhaltigkeitsstrategie wurde im Jahr 2024 um zusätzliche Themen aus Umwelt, Soziales und Governance erweitert.

In den vergangenen Jahren ist das Thema Nachhaltigkeit in sämtlichen Lebens- und Wirtschaftsbereichen zunehmend in den Vordergrund gerückt. Dies zeigt sich sowohl in intensivierten gesetzlichen Vorgaben, veränderten Erwartungen unserer Stakeholder als auch in der Konkretisierung wissenschaftlicher Erkenntnisse zu Klimawandel, Biodiversitätsverlust und weiteren globalen Herausforderungen. Diese Veränderungen erfordern eine neue Herangehensweise, die sich bei STRABAG in einer aktualisierten Nachhaltigkeitsstrategie manifestiert. Sie wurde im ersten Quartal 2025 durch den STRABAG SE-Vorstand verabschiedet und hat damit konzernweite Gültigkeit.

Die erweiterte Nachhaltigkeitsstrategie umfasst mehrere Fokusthemen, die den Bereichen Umwelt, soziale Verantwortung und nachhaltige Unternehmensführung zugeordnet werden. In diesen Fokusthemen hat STRABAG durch ihre Tätigkeit als Baukonzern potenzielle Auswirkungen, die sorgfältig betrachtet werden müssen: weil STRABAG sie positiv wie negativ beeinflussen kann, und sowohl Risiken und Chancen mit ihnen verbunden sind.

Für jene Fokusthemen hat STRABAG Maßnahmencluster definiert. Zu einigen Maßnahmen bestehen festgelegte KPIs. Der Fortschritt zur Bearbeitung der Maßnahmen ist den jeweiligen Themenkapiteln zu entnehmen.

Unsere Nachhaltigkeitsstrategie

Umwelt

  • Dekarbonisierung: Mit einem wissenschaftsbasierten Reduktionspfad verringern wir den Ausstoß von Treibhausgasen entlang unserer gesamten Wertschöpfungskette. Bis zum Jahr 2030 sollen unsere Scope 1- und Scope 2-Emissionen um 42 % und unsere Scope 3-Emissionen um 25 % reduziert und bis 2040 Klimaneutralität erreicht werden.
  • Kreislaufwirtschaft: Wir setzen die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft um, indem wir den Verbrauch von Primärrohstoffen sowie Abfälle reduzieren und hochwertige Ressourcen erhalten.
  • Biodiversität: Mit dem Aufbau eines Biodiversitätsmanagements minimieren wir unsere negativen Auswirkungen auf die lokale Flora, Fauna und Funga und tragen zum Erhalt intakter Ökosysteme bei.

Soziales

  • Unsere Mitarbeitenden: Der Schutz und die Förderung der Gesundheit aller unserer Beschäftigten, die Förderung einer starken Lernkultur und das Schaffen eines inklusiven Arbeitsumfelds sind für uns zentrale Handlungsfelder, um weiterhin eine attraktive Arbeitgeberin zu sein.
  • Menschenrechte entlang der Wertschöpfungskette: Die Wertschöpfungskette der Baubranche ist komplex – unsere soziale Verantwortung und Sorgfaltspflichten zielen daher nicht nur auf die eigenen Mitarbeitenden, sondern auch auf eine Vielzahl anderer Akteur:innen ab, vor allem auf Lieferant:innen und deren Arbeitnehmer:innen.
  • Mehrwert für die Gesellschaft: Durch die Stärkung eines positiven Dialogs mit lokalen Gemeinschaften können wir unsere Auswirkungen verantwortungsvoll für alle gestalten.

Governance

  • Fairer Wettbewerb: Um unserem Anspruch gerecht zu werden, eine verlässliche Geschäftspartnerin, Auftragnehmerin und Arbeitgeberin zu sein, fördert STRABAG regelkonformes und ethisches Verhalten sowie eine Unternehmenskultur, die auf Vertrauen und Partnerschaftlichkeit beruht.
  • Nachhaltige Unternehmensführung: Für eine nachhaltige Unternehmensführung setzen wir auf klare Strukturen, Prozesse und Verantwortlichkeiten. Auf diese Weise stellen wir integres Geschäftsverhalten sicher und identifizieren frühzeitig Auswirkungen, Risiken und Chancen.

Stakeholder-Einbindung

ESRS 2 SBM-2

Stakeholder haben verschiedene Möglichkeiten, ihre Interessen und Ansichten einzubringen und dadurch Impulse für die Strategie und das Geschäftsmodell von STRABAG zu geben. Die vielfältigen Optionen zur Einbringung ermöglichen es, je nach Kontext und Bedarf individuelle und zielgerichtete Formen der Zusammenarbeit flexibel zu gestalten. Die etwaige Anpassung an strategischen Zielsetzungen sowie an Geschäftsmodellen basiert somit auch auf veränderten Stakeholder-Erwartungen. Veränderungen umfassen etwa Maßnahmen in Bezug auf die Erweiterung des Dienstleistungsportfolios um nachhaltige Baudienstleistungen sowie die Stärkung von Dekarbonisierungsinitiativen. Geplant sind zudem verstärkte Investitionen in emissionsarme Technologien und der Ausbau von Partnerschaften zur Förderung nachhaltiger Wertschöpfungsketten (Kapitel „Klimawandel“).

Stakeholdergruppe

Wichtigste Einbindungs- und Dialogformate

Frequenz

Wesentlicher Zweck des Einbindung- und des Dialogformats

Eigene Mitarbeitende

Mitarbeitergespräch

Jährlich

Austausch über Leistung, Stärken und Verbesserungsmöglichkeiten der Zusammenarbeit sowie Förderung der beruflichen Weiterentwicklung.

On- und Offboardinggespräch

Ereignisgesteuert

Weiterentwicklung der Prozesse und Sorgfaltspflichten im Zusammenhang mit Personal- und Organisationsentwicklung.

Aufarbeitung von Arbeitsunfällen

Ereignisgesteuert

Weiterentwicklung der Prozesse und Sorgfaltspflichten im Zusammenhang mit Arbeitssicherheit.

Partizipatives Innovationsmanagement (z.B. Intrapreneurship-Programm adASTRA, Ideenmanagement)

Kontinuierlicher Austausch

Einbringung von Ideen und Verbesserungsvorschlägen, die auf strategische Handlungsfelder von STRABAG einzahlen bis hin zu Geschäftsmodellentwicklung.

Kund:innen und Auftraggeberschaft

Standardisierte Erhebung der Kundenzufriedenheit

Nach Projektabschluss1

Einholen von Feedback zur Projektabwicklung sowie Ableitung von Verbesserungsmaßnahmen.

Gemeinschaftliche Planung von Bauprojekten (z. B. im Rahmen von Partnering-Modellen wie TEAMCONCEPT)

Kontinuierlicher Austausch

Frühzeitige Abstimmung von Anforderungen und Erwartungen sowie konsequente Ausrichtung der Bauprojekte auf Nachhaltigkeit.

Lieferant:innen

Audits

Kontinuierlicher Austausch2

Vorbeugung von menschenrechtlichen und umweltbezogenen Risiken und Stärkung der Lieferantenbeziehungen

Verhandlungsgespräche

Kontinuierlicher Austausch

Weiterentwicklung und Steuerung der Lieferantenbeziehung durch regelmäßige Abstimmung zu Leistung, Konditionen und Verbesserungsbedarf; Sicherstellung von Lieferfähigkeit und Qualität über die Vertragslaufzeit.

Investor:innen

Hauptversammlung

Jährlich

Bereitstellung von Informationen zur unternehmerischen Lage sowie Dialog zu und Abstimmung über wesentliche Unternehmensentscheidungen durch die Aktionäre.

Investorengespräche, Konferenzen und Roadshows

Kontinuierlicher Austausch

Bereitstellung von Informationen und Förderung des Dialogs zu vielfältigen unternehmensrelevanten Themen.

Capital Market Day

Ereignisgesteuert

Bereitstellung von Informationen zu strategischen Neuerungen bzw. Fortschritten.

Betroffene Gemeinschaften und Anrainer:innen

Community Management

Kontinuierlicher Austausch

Austausch zu Bedenken seitens der Anwohner:innen; Bereitstellung von transparenten Informationen über Bauvorhaben.

NGO

Stakeholder-Dialoge und Fachgespräche

Kontinuierlicher themenbezogener Austausch

Einholen externer Perspektiven zu Nachhaltigkeitsthemen; Informationsaustausch zu aktuellen Entwicklungen; Einordnung gesellschaftlicher Erwartungen.

Hochschulen und Forschung

Forschungskooperationen

Kontinuierlicher projektbezogener Austausch

Gemeinsame Entwicklung und Validierung von Lösungen

Peers

Gremien und Branchenveranstaltungen

Kontinuierlicher Austausch

Austausch zu aktuellen Branchenentwicklungen um diese in strategischen Überlegungen zu berücksichtigen.

1Ab Projektgrößen mit einer Auftragssumme von > € 500.000

2Auswahl der Lieferant:innen erfolgt risikobasiert

Zu den strukturierten Einbindungsformaten für unsere eigenen Mitarbeitenden zählen die Mitarbeiter:innengespräche, die gemäß Konzernrichtlinie jährlich stattfinden, sowie Exit-Gespräche bei Konzernaustritten. Aus diesen Gesprächen können wichtige Learnings gezogen werden, die in der weiteren Entwicklung unserer Prozesse rund um Personalentwicklung berücksichtigt werden. Auch bei der Aufarbeitung von Arbeitsunfällen werden je nach Bedarf und Möglichkeit Unfallbeteiligte mit einbezogen, um die Geschehnisse strukturiert zu analysieren.

Unsere Mitarbeitenden haben die Möglichkeit, über Kanäle wie die Hinweisgeberplattform oder das Ombudswesen jederzeit ihre Bedenken und Anliegen zu äußern. Mögliche folgende Abhilfemaßnahmen sowie die regelmäßige Prüfung ihrer Wirksamkeit stellen wichtige Inputs für die Evaluierung unserer Prozesse dar. STRABAG setzt zudem auf partizipative Formate, darunter das Intrapreneurship-Programm adASTRA sowie ein strukturiertes Ideenmanagement. Aus dem adASTRA-Programm heraus wurden bereits neue Unternehmen gegründet, die auf strategische Handlungsfelder von STRABAG einzahlen.

Neben der Einbindung interner Stakeholder fördern wir auch den Dialog zu weiteren relevanten Anspruchsgruppen außerhalb des Konzerns. Hierzu zählen vor allem unsere Kund:innen, Investor:innen und Zulieferunternehmen. Des Weiteren pflegen wir den Kontakt zu Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Medien, politischen Institutionen sowie zu NGOs als Sprecher „stiller“ Stakeholder wie die Natur. Um den Austausch zwischen STRABAG und den Anspruchsgruppen zu fördern, verfolgen wir verschiedene Einbindungsformate, darunter Vertretungen bei Messen und Branchenveranstaltungen, Stakeholder-Dialoge sowie das Knüpfen von Forschungskooperationen. Bei Aktualisierungen der Konzernstrategie wird mit Analyst:innen und Investor:innen durch eine spezifische Veranstaltung in Austausch getreten, so wie es 2023 mit dem Strategic Update 2030 der Fall war.

Erhebung der Kundenzufriedenheit

Kund:innen gehören zu den zentralen Stakeholdern von STRABAG. Um regelmäßig neue Aufträge zu sichern und die eigenen Abläufe zu verbessern, wird die Kundenzufriedenheit nach einem einheitlichen Konzernstandard erhoben. Zur Erhebung der Kundenzufriedenheit wird die Auftraggeberschaft in allen Konzernländern über eine Online-Befragung projektbezogen (ab Projektgrößen mit einer Auftragssumme von > € 500.000) zu den folgenden Aspekten um ihre Bewertung gebeten:

  • Organisatorische Leistungsfähigkeit und technische Realisierung
  • Verantwortungsvoller und nachhaltiger Umgang mit Menschen und Ressourcen
  • Fachliche Kompetenz sowie Kommunikation und Zusammenarbeit in und mit unserem Team

Der entsprechende Prozess ist in den konzernweit gültigen Mindeststandards für die Beschaffung und Ausführung von Bauprojekten (Common Project Standards) verankert. Die Beauftragten für das Managementsystem koordinieren die einheitliche Systematik der Messung und die Berichterstattung auf Konzernebene. Auf Landesebene wird die Umsetzung durch die Beauftragten im Rahmen interner Audits überwacht. Zusätzliche Verfahren der Kundenzufriedenheitsmessung können von den operativen Einheiten implementiert werden.

Ergebnisse der Kundenzufriedenheit

Im Jahr 2025 wurde die Kundenzufriedenheit bei 1.500 Bauprojekten erhoben (2024: 1.893). Die Rücklaufquote betrug 40 % und ist somit gegenüber dem Vorjahr unverändert geblieben (2024: 40 %). Die Ergebnisse der Kundenzufriedenheit sind der untenstehenden Tabelle zu entnehmen.

Aspekte

2025

2024

Organisatorische Leistungsfähigkeit und technische Realisierung

4,45

4,39

Verantwortungsvoller und nachhaltiger Umgang mit Menschen und Ressourcen

4,43

4,41

Team: Fachliche Kompetenz sowie Kommunikation und Zusammenarbeit

4,67

4,61

Gesamt

4,52

4,46

Erfüllungsgrad der Erwartungen gemäß Einschätzung der Kund:innen: 0 = nicht erfüllt; 1 = kaum erfüllt; 2 = zum Teil erfüllt; 3 = weitgehend erfüllt; 4 = erfüllt; 5 = übertroffen

Durch die aktive Mitwirkung in verschiedenen Gremien mit Peers – etwa im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie sowie in spezifisch nachhaltigkeitsorientierten Initiativen wie der Stiftung KlimaWirtschaft – erhält STRABAG Einblicke in aktuelle Entwicklungen der Branche, um diese in den strategischen Überlegungen zu berücksichtigen. Eine interne Arbeitsgruppe koordiniert den Informationsfluss zu den vertretenen Positionen und leitet diesen strukturiert an das Steering Committee Sustainability weiter, dessen Vorsitz der CEO innehält.

Stakeholder-Dialog

STRABAG ist nicht nur Teilnehmerin, sondern auch aktive Veranstalterin von Austauschformaten mit externen Stakeholdern. Zuletzt wurde im September 2024 ein Stakeholder-Dialog zum Thema „Ökologische und soziale Lieferkette“ organisiert. Zur Teilnehmerschaft gehörten sowohl Vertreter:innen des STRABAG-Konzerns als auch externe Stakeholder wie Lieferant:innen, Partnerunternehmen, Auftraggeber:innen und die Wissenschaft. Mit dieser Teilnehmerschaft wurde ein wesentlicher Teil der Bauwertschöpfungskette abgedeckt, die im unterschiedlichen Ausmaß von neuen regulativen Anforderungen und Herausforderungen entlang der Lieferkette betroffen sind. In diversen interaktiven Dialogsettings wurde die Verfügbarkeit von Daten als zentraler Hebel für die Erfüllung von Sorgfaltspflichten und die Bewältigung von Herausforderungen identifiziert. Aufbauend auf den gewonnenen Erkenntnissen und einem erweiterten Netzwerk ist für 2026 ein weiterer Stakeholder-Dialog zum Thema „Nachhaltige Transformation“ geplant.

Im Zuge des Roll-outs unseres Social Compliance Management-Systems und den dazugehörigen Risikoanalysen sowie der Entwicklung von Maßnahmen finden spezifische Stakeholder-Dialoge zu menschenrechtlichen Themen statt. Nähere Informationen dazu finden sich im Kapitel Arbeitskräfte in der Wertschöpfungskette.

Auf der Ebene unserer Bauprojekte sind betroffene Gemeinschaften und Anrainer:innen eine weitere zentrale Stakeholder-Gruppe. Der Dialog zu diesen Stakeholder-Gruppen ist oftmals gesetzlich vorgegeben. Ein zentrales Vorhaben zur Stärkung des Dialogs zu diesen Stakeholder-Gruppen bildet die vorgesehene Implementierung eines konzernweiten Leitfadens zur Einbindung von lokalen Gemeinschaften und Anrainer:innen auf projektbezogener Ebene. Im Jahr 2025 wurde das bestehende Konzept weiter konkretisiert, um eine praxisnahe Handhabung des Leitfadens für die operativen Einheiten des STRABAG-Konzerns zu erleichtern.

Quellenangaben – Kapitel Nachhaltigkeitsmanagement

Europäische Kommission, o. J.: Construction and demolition waste, abgerufen am 18.2.2026
International Energy Agency, 2023: Buildings, abgerufen am 18.2.2026